Jahresbilanz
09. März 2010 07:04; Akt: 09.03.2010 16:11 Print
Charles Vögele in den roten Zahlen
Charles Vögele hat 2009 einen Verlust von 14 Mio. Fr. eingefahren. Grund dafür ist die Liquidierung der riesigen Warenlager des Modehändlers. Nun passt Charles Vögele sein Geschäftsmodell der Branche an und versucht so, sein Image aufzupolieren.
Bisher stellte Charles Vögele vier Mal im Jahr eine neue Kollektion zusammen. Nach einem halben Jahr wurden die nicht verkauften Kleider eingelagert und zu Beginn der nächsten Saison erneut an die Kleiderständer gehängt. Auf diese Weise pries der Modehändler bisweilen bis zu vier Jahre lang die selben Kleidungstücke an.
Für die Aktionäre von Vögele gibt es für 2009 keine Dividende.(Bild: Keystone)
Das wird sich nun ändern: Unternehmenschef André Mäder erklärte am Dienstag vor den Medien, fortan werde kein Kleidungsstück oder Accessoire länger als 18 Monate im Sortiment geführt werden. Damit dies überhaupt möglich ist, hat Charles Vögele letzten Frühling begonnen, seine Warenlager abzubauen.
Insgesamt verkaufte das Unternehmen in seinen rund 850 Läden in neun Ländern 13 Mio. veraltete Kleidungsstücke. Damit reduzierte Charles Vögele den Wert seiner eingelagerten Waren um 109 Mio. Fr. auf 173 Mio. Franken, wie aus der Konzernbilanz hervorgeht. Das hatte jedoch auch Auswirkungen auf den Gewinn.
Da für den Abverkauf der Lagerbestände Preisnachlässe gewährt werden mussten, wurde der Bruttogewinn um 40 Mio. Fr. geschmälert. Er belief sich schliesslich noch auf 802 Mio. Franken. Abzüglich der Personal-, Gebäude- und Amortisationskosten blieb schliesslich ein Betriebsgewinn (EBIT) von 4 Mio. Fr. übrig.
Unter dem Strick schrieb das Unternehmen dann rote Zahlen, obwohl der Finanzaufwand halbiert werden konnte und weniger Steuern anfielen. Bereits im laufenden Jahr sollen die Geschäftszahlen trotz schwierigen Marktverhältnissen aber wieder schwarz werden, sagte Firmenchef Mäder.
Acht statt vier Kollektionen
Allerdings sollen bis Ende März noch weitere 4 Mio. Kleiderstücke aus den Lagern verschwinden, wodurch sich das Modeunternehmen nochmals rund 15 Mio. Fr. Gewinn ans Bein streichen muss.
Trotz Dauerausverkaufs hat Charles Vögele 2009 seinen Umsatz praktisch halten können. Er belief sich auf 1,31 Mrd. Franken, was 3,9 Prozent weniger ist als im Vorjahr. In Lokalwährungen gerechnet beträgt das Minus allerdings nur 0,2 Prozent, wie Charles Vögele betonte.
Charles Vögele ändert aber nicht nur seine Lagerbewirtschaftung, das Geschäftsmodell des Modeunternehmens wird komplett umgebaut und die Strategie angepasst. So werden die Kleidermodelle nicht nur weniger lang im Sortiment geführt, wie andere Kleiderketten auch erhöht Charles Vögele den Takt der neuen Kollektion.
Statt vier Mal im Jahr sollen neu acht Mal neue Kleider in die Läden kommen, wobei andere Ketten wie H&M oder Zara ihre Kollektionen noch viel rascher auswechseln. Der Philosophiewechsel im Unternehmen, wie ihn Mäder nannte, führt auch dazu, dass die Zahl der Lager und Distributionszentren von 20 auf drei reduziert wird.
Expansion in Osteuropa eingestellt
Der schnellere Kollektionswechsel soll zudem auch mit den Zentralisierung des Sortimentsmanagements und eigenen Einkaufsorganisationen in China, Indien und Bangladesch ermöglicht werden. Und schliesslich sollen gemäss Mäder auch die Läden der Modekette frischer und moderner werden. Erste Filialen wurden versuchsweise bereits umgestaltet.
Die meisten Konsumenten würden heute Charles Vögele keine Modekompetenz mehr zugestehen, gestand Mäder am Dienstag vor den Medien ein. Mit dem neuen Geschäftsmodell soll das schlechte Image nun gedreht werden. Dazu konzentriert sich Charles Vögele fortan auf seine Hauptmärkte Schweiz, Süddeutschland und Österreich. Die Expansion nach Osteuropa wird nicht mehr weiter forciert.
Angesichts der negativen Zahlen wird den Aktionäre im laufenden Jahr auch die Dividende gestrichen. An der Börse bewegten sich die Aktien des Modeunternehmens am Dienstag leicht im Plus, derweil der Gesamtmarkt (Swiss Performance Index) leicht nach unten tendierte.
(ddp)































